Samstag, 20. Februar 2021

60er, 70er, 80er Jahrgänge - die internetfreie Scholle, Hippie-mäßig und Derrick-affin

Einleitung für die Leserschaft:
Das ist eine eigene Beobachtung bzw. Reflexion. Ihre Struktur kann dazu dienen, sich selbst auf Gedanken zu bringen oder diese in einem Coaching mit mir zu reflektieren. Der Coach dient dann als Erweiterung des 'Zu-Hörenden', jenes, was man für sich selber sucht, erweckt und auch findet, und man es dann dazu verwendet, sich einen Weg zu gestalten. Man könnte ruhig meinen, eher die jungen Menschen hätten die Aufgabe sich zu fragen QUO VADIS? - Wohin des Weges?. Doch die sich verbreitenden Lebensarten der Achtsamkeit, des Bewusstseins, des Seins an sich und des Miteinanders weisen alle darauf hin, dass man sich - neu vielleicht - besonders mit seiner verbleibenden Lebenszeit auseinandersetzen mag, diese für sich wach zu begehen und bewusst, was auf einem zukommt, letztendlich. - Ich lade Sie dazu ein. 



Die aktuellen Bedingungen durch die Pandemie und die diversen Lockdowns lassen mich immer wieder Fragen nachgehen wie

  • Wer ist wie betroffen?
  • Wer steckt es wie weg?
  • Wem bleiben welche Auswirkungen?
  • Wie ist das alles aufzunehmen, zu verstehen und zu handhaben?
Ich bin bald 60. Um den Beitrag fortzudenken, nehme ich an, ich würde 80 werden. Ich gewinne 20 Jahre, die ich bewusst gestalten möchte. Der im Jahr 2020 erfolgte Tod meiner lieben Frau Elke, die dem Krebs mit 55 Jahren erlag, und auch verstorbene Freunde brachten mich der Erfahrung näher, dass ein Leben ein Ende nimmt. Und als Coach und Mensch möchte ich lebensphilosophisch fragen: Was mag ich mit meiner Zeit noch tun?



Was mag ich mit meiner Zeit noch tun?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich frei entscheiden kann, was ich tun möchte? oder was ich noch tun kann (als Einschränkung meiner Möglichkeiten)? Was bleibt mir?

Ebenso bin ich mir nicht sicher, ob ich eher dem Neuesten folgen soll, also meist sehr digitalen Entwicklungen, wie vielleicht der Umgang mit ETFs (elektronische Wertanlagen), Bitcoins, eVallet, etc. (Neuland, Wagnis)? oder soll ich mich eher auf angestammte Erfahrungen konzentrieren, auf Vergangenes, von dem ich jedoch viel Ahnung habe (gefühlte Erinnerungen und Sehnsüchte). 

Ich könnte mich also fragen: 
  • lege ich mir einen Online-Wertschriftenhandel an, mit Notebook, Bildschirm, etc. ? oder
  • eröffne ich das Lokal mit kleiner Küche und Kulturevents für die befreundeten Gäste?

Was macht die Pandemie mit uns? Was hinterlassen die Lockdowns letztendlich? 

Erstens, sie rauben uns blanke Lebenszeit. Das drückt sich in nichts deutlicher aus, als im Tod, wie auch immer in diesen Monaten gestorben wird. Zweitens, wir haben im Moment kaum eine Vorstellung und Gewähr, auf welche Weise wir womit fortfahren dürfen bzw. können. 

Ich möchte nicht dramatisch wirken, doch es gibt diese Wahrnehmung, wo "man" (ich, du, er, sie es, wir, ihr, sie) sich bewusst wird: die Restzeit läuft ab, seien es 2 x 20 Jahre oder wie in meinem Fall noch 1 x 20 Jahre. Was also möchte ich in dieser Zeit noch leben?

Die von mir gewählten 60er, 70er und 80er Jahrgänge wählte ich, weil ich ein 62er bin. Sie dürfen das auf Ihre Situation gerne ausweiten. Was bei aller Jahrgangswahl jedoch getan werden muss: Wir müssen unsere Geburt in die Weltzeit reinlegen und uns fragen: In welcher Zeit habe ich gelebt bzw. lebe ich?


In welcher Zeit habe ich gelebt bzw. lebe ich?

Eine Definition, die ich gerne verwende und die mir mit dem Älterwerden - aber auch mit dem Fortschritt, der digitalen Transformation - immer wichtiger wird: Ich bin in einer Zeit aufgewachsen und 30 Jahre alt geworden, als es kein Internet gab. Dann kamen die Vernetzung von Personalcomputern, das Internet, die Mobiltelefonie, das Plastikgeld - das sind meine zweiten 30 Lebensjahre, die ich in dieser Welt gelebt habe. Nun kann ich fragen: In welche Richtung gestalte ich meine nächsten 30 Jahre?

Ich bin ein Freund von am Fortschritt dran zu bleiben. Ich würde niemandem sagen: Was willst du noch damit? Es besteht jedoch - und gerade die Lockdownbedingungen des Distanzhaltens zeigen mir das - eine enorme Bedürfniswolke nach Gefühlen, Sehnsüchten und Erinnerungen, die nicht zum Digitalen zählen, sondern als 62er zum VW-Käfer oder 2CV, zur Feuerstelle und Zeltlager, zu Käse, Brot und Wein, zu alter Musik der Beatles, der Rolling Stones und vielen mehr, zu Klassikern der Küche, der Literatur, des Genusses. Ich mag noch Briefpapier und menschreiche Tische, den Apèro und etwas Betang. Mir liegen Comics am Herzen und Pop-Art, Existenzielle Philosophie und das Thema der Frau, die Emanzipation. Ich bin so, so Hippie-mäßig und Derrick-affin. Und es sind ja nicht die Waren oder Sachen, die mir fehlen - es sind die Gefühle, die Resonanzen, wenn mich ein Stück Musik aus der Zeit erwischt. Es sind die Bilder analoger Fotoalben, geklebt und blätterbar. Und diese schönen Gefühle, diese wunderbaren Erinnerungen, die möchte ich in dieser Zeit weiter leben, ganz egal, wie alt ich werde. Warum? 

Weil es mir persönlich scheint, dass diese ersten 30 Jahre mich auf eine andere Weise mit meinem gesamten Dasein emotional verwurzelten und verbanden, als mir das die Zeit des Internets danach wirklich zu geben (sprich leben) vermochte. Diese ersten 30 Jahre sind für mich von einer anderen - mir sehr wertvollen - Substanz. 

Natürlich findet das jeder Mensch für sich heraus - dazu mag der Beitrag anregen.

Herzlich
Jona Jakob

adhoc Coaching
zueri-frankfurt.com


Bleibt beisammen!

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