Mittwoch, 3. März 2021

Bleibt beisammen!

 Ich besuchte im Jahr 2016 einen Netzwerkanlass und wurde dort gefragt, was das Wort 'Individuation' bedeutet, welches auf der Visitenkarte stand:

Ich möchte eine Haltung leben, dass eine Person um mich sich wird 
- und nicht 'jemand'.  

Jona Jakob, 2016. 

Damit verbunden ist für mich die Idee der Individuation: 
Der Weg zu einem eigenen Ganzen ist ein lebenslanger Prozess zu jemand Einzigartigem als Individuum. Individuation [lat.: individuare - sich unteilbar bzw. untrennbar machen] ist die die Entwicklung und Reifung des Menschen im Verlauf seines Lebens. (Quelle: Wiki) 


Mit diesem Gedanken möchte ich auch das Moment vermeiden, wo das Wort 'Coaching' stünde und wie eine 'Einflussmethode' wirkt, wenn jemand noch nicht sicher ist, was damit gemeint ist. Vielleicht kann ja ein einfaches Zuhören im Zug jemanden wachsen lassen, ein Einfühlen, ein Hinsehen oder eine meiner Fragen im Tag - in dem Moment sagt niemand, jetzt gerade läuft ein Prozess. Vielmehr ist es auf diese Weise täglich an mir selbst, eine erspriessliche Form zu finden und zu halten. Meine ich.

Bleibt beisammen
Worum geht es mir? Ich gewinne (es ist eher ein Verlieren) nicht zu selten den (einseitigen) Eindruck, dass man sich heute sehr gerne mit wem ein erstes Mal trifft oder begegnet, heute zu gerne digital und per Video. Man teilt auch gleich eine ganze Menge. Ist der Austausch beendet, mag bleiben was will. Und mein Punkt in diesem Posting, den ich ansprechen möchte ist, dass es zu keiner weiteren Begegnung kommt. Einmal - Ende - Schade. So mein Standpunkt. 

Meine Hypothese ist, wenn ich bei mir schaue: Es sind kleine Hürden, Ablehnungen, Schwierigkeiten oder Hindernisse, die mich oder beide abhalten, den Dialog fortzusetzen. Ich könnte getrost schreiben: 'Nicht weiter Zeit und Interesse zu investieren.' - Doch. 


Aspekt Alter
Mit dem Alter, ich bin heute 58,  wird man zumindest wählerischer. Man weiß, was man nicht (mehr) mag oder braucht. Und nicht selten hat man auch Gefühle, Bedürfnisse oder gar konkrete Wünsche. Vielleicht hat man gar so viel Entwicklungs- und Selbstarbeit geleistet, dass man Anteile am Anderen wie "rückständig" erlebt. Und nicht selten können Regungen im Raum beider stehen, welche mit Scham etwas zu tun haben oder mit Ängsten. 

Aspekt Beziehung
Manchmal bleibt mir das Gefühl, Treffen und Workshops und Begegnungen oder Seminare sind und bleiben "Pick-off"-Aktionen ... die Chance, jemanden abzuschleppen, gelinde gesagt. Frau sucht Mann, Mann sucht Frau, und was es sonst alles gesucht sein mag. Ja. Klar. Gerne. Und üblicherweise lässt man dann ein zweites Miteinander sein, wenn es einem beim ersten nicht behagt. Das ist jedoch mE eine Art Alles oder Nichts. 

Aspekt Geografie
Mein Vater äußerte einst: "Die Zuneigung wächst mit der Distanz. Doch die Liebe bricht an der Geografie." Und was er noch meinte: "Du musst immer zwei Sprüche haben - den dafür und jenen dawider." Vielleicht ist es auch genau jenes, was wir in der Sprache von Robert Musils 'Mann ohne Eigenschaften' lieben. Seine langen Sätze der Begeisterung, die er dann in der zweiten Hälfte seiner Ausführungen fein säuberlich zunichte macht. Weit auseinander zu liegen scheint eine alte Hürde, ein Miteinander aufrecht zu halten. 

Mein Plädoyer jedoch lautet dahin gehend, all diesen Ablehnungen und Gründen dafür, das es nicht klappen kann, eine Absage zu erteilen und dran zu bleiben. Dran an einer zweiten Begegnung.

Ich mag Menschen, die mich über einen ersten Eindruck hinaus mit einem zweiten zu überzeugen vermögen. 

Jona Jakob, 2010

Aspekt Netzwerke und Kontakte
Meine Erfahrung ist es, dass so gerne davon geredet wird, vielleicht würden Netzwerkaktivitäten zu gemeinsamen Projekten führen. Doch bisher habe ich das noch nie erlebt. Das letzte gemeinsame Projekt habe ich vor ca. 10 Jahren mit wem in Frankfurt durchgeführt. Ok, ich habe dann in einem gemeinsamen Spirit neun Jahre mit meiner kürzlich verstorbenen Partnerin gelebt und gearbeitet. DAS war ein richtiges Miteinander. Doch aus Netzwerkanlässen und beruflichen Begegnungen wurde noch selten etwas. 

Dennoch, es macht enorm viel Sinn, im fortlaufenden Kontakt zu bleiben. Neulich bin ich in eine Videokonferenz und dort jemandem wieder begegnet, den ich vom Bier, vom Degustieren, von einer Messe, von der eigenen Hochzeit und aus dem Ort kenne - auch seine Frau, die mir als Rechtsanwältin hervorragend diente. Ich KENNE diesen Berater zumindest so weit, als dass ich von ihm weiß: 
  • Beratungsfelder
  • Kundschaft
  • Seine Stärken
  • Seine Seiten
  • Seine Qualitäten
  • Seine Professionalität
  • Seine Kunst, zuzuhören

Wäre ich meinen Null-Acht-Fünfzehn-Verhaltensweisen für Begegnungen gefolgt, wir hätten uns kein zweites Mal getroffen. Doch ich hörte etwas länger in mich rein - DAS war mein ganzer Aufwand, länger und offener in mich reinzuhören bzw. nachzufühlen - und wir setzten in gegenseitigem Interesse die Begegnungen fort. Heute besteht da ein brauchbares Band, noch ganz ohne ein Projekt und vielleicht wird auch nie eines daraus. Aber für uns haben wir gegenseitig viel Gewinn, wenn wir Bedarf an des anderen Stärken haben. Wir mögen es und teilen hierfür gerne ein Glas Sommergetränke oder im Lockdown halt einen Videoschwatz. 

Was kann ich tun?
Gegenseitige Sympathie hilft immer - doch wenn die nicht gleich vorhanden ist, wie kann man dann ein Miteinander herkriegen und bestehen lassen? Wenn der Effekt einer gemeinsamen Zielsetzung nicht gewollt und damit nicht gegeben ist, also etwas als Projekt starten zu wollen, was sicher sehr ideal wäre, dann gibt es mE eine zweite gut machbare Lösung: Stelle strukturiert offene Fragen - immer wieder. Gerate mit dem Menschen in einer Art dialogisches, wertfreies Interview:
  • höre zu
  • sprich etwas an
  • nimm es her
  • denke mit
  • frage nach
  • gib es wieder
  • behalte deine eigenen Anteile gering (kleiner Anteil am Gespräch)
  • beende
  • löse auf
  • vertraue dem Weggehen und Nachklingen
  • schreibe deinen Nachklang später hinterher

Spirit: Komme auf den Geist in der Flasche zurück
Ich habe ein kleines Beispiel für solchen Kontakterhalt: Nicht selten kriege ich zu Anlässen Wein, Schnaps oder Sekt geschenkt. Oder Konfitüren und Eingemachtes. Normalerweise weiß ich schon am nächsten Morgen nicht mehr, wer mir was geschenkt hat. Was tun? 

Ich habe stets einen Silber- oder Goldstift zuhause oder solch einen für Kreideschrift. Damit notiere ich kurz den Schenkenden, Anlass und Datum auf eine freie Stelle auf der Flasche bzw. dem Behältnis. Und dann vergehen 2-3 Jahre, bis ich eine Flasche Wein öffne und koste. Dann lasse ich den Schenkenden nach dieser Zeit erfahren, dass wir die Flasche geöffnet haben und die Freude groß war. Das schenkt den Schenkenden viel zurück. Das verdichtet das Miteinander, die Beziehung wächst. Auch bei Konfitüren und Selbstgemachtem - ich melde mich so oft als möglich zurück. Hierfür gibt es so viele Weisen, wie man das tun kann. 

Und eine der schönsten Formen, einen Kontakt, jemand Fachliches, einen Menschen zu beschenken ist, die Person oder dessen Fähigkeiten und Kompetenzen oder Leistungen zu empfehlen. Stellen Sie jemanden vor, vermitteln Sie, schreiben Sie bei Google eine Rezension oder posten Sie eine Empfehlung als Beitrag. Oder verfassen Sie einfach mal einen Brief, eine eMail und melden Sie sich zurück, per Feedback oder sonst einem kleinen Hallo. Das erhält das Miteinander auf ganz besondere Weise. 

Bleibt beisammen, auch wenn es mal nicht einfach ist. Nutzt das Warten und vielleicht Mundhalten, das Fragen und Zuhören, das Nichtwerten und In-den-Arm-nehmen. Nutzt diese Möglichkeiten, im Anderen Anteile von euch über sich selbst hinaus wachsen zu lassen. Dann wachsen alle mit. 

Herzlich
Jona Jakob
Ad-hoc Coaching zu Coronazeiten.

Montag, 1. März 2021

#lesenswert : Vertrauen

Feb/März 2021: 

Vertrauen im Coaching | COACHING MAGAZIN 1/2021

Zitat aus dem Head - Autor: Prof. Dr. Walter Schwertl / Coaching Magazin Ausgabe 1 / 202

Es gibt keine Garantie dafür, dass ein Coaching Wirkung erzielt. Zugleich baut Coaching auf das Mitwirken der Klienten. Diese müssen darauf vertrauen können, dass das Coaching ein Erfolg wird. Fehlt dieser Glaube, ist es schwierig bis unmöglich, einen Coaching-Prozess mit einem positiven Ergebnis zu durchlaufen.

Link https://www.coaching-magazin.de/philosophie-ethik/vertrauen-im-coaching


Pressefreiheit: Wofür stehen wir? | DIE ZEIT, Autor: Giovanni di Lorenzo

Mit selbem Kern, dem persönlichen Vertrauen, geht Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur DIE ZEIT an die Entwicklungen im Bezug auf Pressefreiheit, Moral, Meinungen und Fakten. 

Link: https://www.zeit.de/amp/2021/09/pressefreiheit-journalismus-gesellschaft-spaltung-politik


Jona Jakob: Mit Hinweisen auf Lesenswertes möchte dieser Blog zum einen, dass wir nicht kopieren oder sonst uns ermächtigen. Dann lieber, dass Menschen die Themen original lesen. Meistens ist es auch so, dass man das wunderbar Verfasste in eigenen Worten kaum nochmals "so" wiedergeben könnte. Das Thema Vertrauen ist so immanent für das Miteinander, dass es mich ankam, Ihre grundlegenden und wertvollen Publikationen weiterzuempfehlen. Ich danke, wenn das für Sie ok ist. 

Samstag, 20. Februar 2021

60er, 70er, 80er Jahrgänge - die internetfreie Scholle, Hippie-mäßig und Derrick-affin

Einleitung für die Leserschaft:
Das ist eine eigene Beobachtung bzw. Reflexion. Ihre Struktur kann dazu dienen, sich selbst auf Gedanken zu bringen oder diese in einem Coaching mit mir zu reflektieren. Der Coach dient dann als Erweiterung des 'Zu-Hörenden', jenes, was man für sich selber sucht, erweckt und auch findet, und man es dann dazu verwendet, sich einen Weg zu gestalten. Man könnte ruhig meinen, eher die jungen Menschen hätten die Aufgabe sich zu fragen QUO VADIS? - Wohin des Weges?. Doch die sich verbreitenden Lebensarten der Achtsamkeit, des Bewusstseins, des Seins an sich und des Miteinanders weisen alle darauf hin, dass man sich - neu vielleicht - besonders mit seiner verbleibenden Lebenszeit auseinandersetzen mag, diese für sich wach zu begehen und bewusst, was auf einem zukommt, letztendlich. - Ich lade Sie dazu ein. 



Die aktuellen Bedingungen durch die Pandemie und die diversen Lockdowns lassen mich immer wieder Fragen nachgehen wie

  • Wer ist wie betroffen?
  • Wer steckt es wie weg?
  • Wem bleiben welche Auswirkungen?
  • Wie ist das alles aufzunehmen, zu verstehen und zu handhaben?
Ich bin bald 60. Um den Beitrag fortzudenken, nehme ich an, ich würde 80 werden. Ich gewinne 20 Jahre, die ich bewusst gestalten möchte. Der im Jahr 2020 erfolgte Tod meiner lieben Frau Elke, die dem Krebs mit 55 Jahren erlag, und auch verstorbene Freunde brachten mich der Erfahrung näher, dass ein Leben ein Ende nimmt. Und als Coach und Mensch möchte ich lebensphilosophisch fragen: Was mag ich mit meiner Zeit noch tun?



Was mag ich mit meiner Zeit noch tun?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich frei entscheiden kann, was ich tun möchte? oder was ich noch tun kann (als Einschränkung meiner Möglichkeiten)? Was bleibt mir?

Ebenso bin ich mir nicht sicher, ob ich eher dem Neuesten folgen soll, also meist sehr digitalen Entwicklungen, wie vielleicht der Umgang mit ETFs (elektronische Wertanlagen), Bitcoins, eVallet, etc. (Neuland, Wagnis)? oder soll ich mich eher auf angestammte Erfahrungen konzentrieren, auf Vergangenes, von dem ich jedoch viel Ahnung habe (gefühlte Erinnerungen und Sehnsüchte). 

Ich könnte mich also fragen: 
  • lege ich mir einen Online-Wertschriftenhandel an, mit Notebook, Bildschirm, etc. ? oder
  • eröffne ich das Lokal mit kleiner Küche und Kulturevents für die befreundeten Gäste?

Was macht die Pandemie mit uns? Was hinterlassen die Lockdowns letztendlich? 

Erstens, sie rauben uns blanke Lebenszeit. Das drückt sich in nichts deutlicher aus, als im Tod, wie auch immer in diesen Monaten gestorben wird. Zweitens, wir haben im Moment kaum eine Vorstellung und Gewähr, auf welche Weise wir womit fortfahren dürfen bzw. können. 

Ich möchte nicht dramatisch wirken, doch es gibt diese Wahrnehmung, wo "man" (ich, du, er, sie es, wir, ihr, sie) sich bewusst wird: die Restzeit läuft ab, seien es 2 x 20 Jahre oder wie in meinem Fall noch 1 x 20 Jahre. Was also möchte ich in dieser Zeit noch leben?

Die von mir gewählten 60er, 70er und 80er Jahrgänge wählte ich, weil ich ein 62er bin. Sie dürfen das auf Ihre Situation gerne ausweiten. Was bei aller Jahrgangswahl jedoch getan werden muss: Wir müssen unsere Geburt in die Weltzeit reinlegen und uns fragen: In welcher Zeit habe ich gelebt bzw. lebe ich?


In welcher Zeit habe ich gelebt bzw. lebe ich?

Eine Definition, die ich gerne verwende und die mir mit dem Älterwerden - aber auch mit dem Fortschritt, der digitalen Transformation - immer wichtiger wird: Ich bin in einer Zeit aufgewachsen und 30 Jahre alt geworden, als es kein Internet gab. Dann kamen die Vernetzung von Personalcomputern, das Internet, die Mobiltelefonie, das Plastikgeld - das sind meine zweiten 30 Lebensjahre, die ich in dieser Welt gelebt habe. Nun kann ich fragen: In welche Richtung gestalte ich meine nächsten 30 Jahre?

Ich bin ein Freund von am Fortschritt dran zu bleiben. Ich würde niemandem sagen: Was willst du noch damit? Es besteht jedoch - und gerade die Lockdownbedingungen des Distanzhaltens zeigen mir das - eine enorme Bedürfniswolke nach Gefühlen, Sehnsüchten und Erinnerungen, die nicht zum Digitalen zählen, sondern als 62er zum VW-Käfer oder 2CV, zur Feuerstelle und Zeltlager, zu Käse, Brot und Wein, zu alter Musik der Beatles, der Rolling Stones und vielen mehr, zu Klassikern der Küche, der Literatur, des Genusses. Ich mag noch Briefpapier und menschreiche Tische, den Apèro und etwas Betang. Mir liegen Comics am Herzen und Pop-Art, Existenzielle Philosophie und das Thema der Frau, die Emanzipation. Ich bin so, so Hippie-mäßig und Derrick-affin. Und es sind ja nicht die Waren oder Sachen, die mir fehlen - es sind die Gefühle, die Resonanzen, wenn mich ein Stück Musik aus der Zeit erwischt. Es sind die Bilder analoger Fotoalben, geklebt und blätterbar. Und diese schönen Gefühle, diese wunderbaren Erinnerungen, die möchte ich in dieser Zeit weiter leben, ganz egal, wie alt ich werde. Warum? 

Weil es mir persönlich scheint, dass diese ersten 30 Jahre mich auf eine andere Weise mit meinem gesamten Dasein emotional verwurzelten und verbanden, als mir das die Zeit des Internets danach wirklich zu geben (sprich leben) vermochte. Diese ersten 30 Jahre sind für mich von einer anderen - mir sehr wertvollen - Substanz. 

Natürlich findet das jeder Mensch für sich heraus - dazu mag der Beitrag anregen.

Herzlich
Jona Jakob

adhoc Coaching
zueri-frankfurt.com


Samstag, 16. Januar 2021

Räume

Es wäre zu knapp gedacht, wenn man nun meinen würde, ich halte mich im Raum zueri-frankfurt fest. Nehme ich meine befreundeten und herzlichen Bezüge zusammen, wird der Raum größer. Deutschland, Frankreich, Spanien, die Schweiz und etwas Tschechien gehören zu den aktuell lebendigen Bezugspunkten. 

Nehme ich nun noch die Internetcommunities dazu, weitet sich der Raum auf Amerika, Italien, Skandinavien und die Beneluxstaaten aus. Da gibt es überall Kontakte, Menschen, getauschte Gedanken und Gefühle, Freude wie Beileid, Staunen und Ablehnen. Da steckt überall Leben drin. 

Jetzt, in dieser schicksalhaften Blockade der möglichen Freiheiten und Transaktionen, dem Lockdown, sind die Communities wie LinkedIn, Xing, Facebook und besonders Twitter meine Blutreserven für den Hunger, der mir mein Kopf bereitet. Ich bin ein Austausch-Junkie und auf kaltem Entzug, das muss ich zugeben. 


Bild JJ: Trinkhalle / Werk von mir Unbekannt
Nacht der Museen Aschaffenburg, 2018
Raum im Raum im Raum im Raum. Tbc.

Was mich dann freut: viele Kontakte werden im Moment etwas intensiver geführt. Man spricht vertiefter, man nutzt Video-Call und Zoom, um sich auch zu sehen. Man schreibt in die Chats und denkt per Video, Fotos und Sprüchen aneinander. Und man gibt eher zu, verletzlich zu sein, wund oder dünnhäutig, da von der Krise zu lange angespannt. Es gibt auch die Wohlgesonnenen, die Optimisten und Positivisten. Wen es in meinen Kreisen nicht gibt: dramatische Leugner oder gar Missionare. 

Was ich so langsam intus kriege: Dass man diese Communities auf zwei Weisen konsumiert und daher auch verschieden erlebt: Viele lesen alles auf dem Handy. Und einige konsumieren den Stoff am großen Bildschirm. Das macht sehr viel aus, was man dann zurück erhält. Wer keine Tastatur und Schreibposition inne hat, der wird mit einem Icon reagieren. Mehr geht mit Bürotasche, Schneefall, Cofe-to-go und Keine-Zeit nicht. Andere sitzen am Computer und führen aus, wie ich hier. 

Zu unterscheiden ist auch: Ob jemand aus dem Internet und seinen Kontakten mehrheitlich nur "downloaded", also Stoff herauszieht. Oder ob es jemand ist, der Inhalte und Infos in das Internet hineinstelle, also "uploaded". Die Uploadrate, so würde ich meinen, liefert bei sehr vielen Aspekten den Unterschied. Das verfasste Wort, notfalls Bilder oder Videos. Dann helfen Geräte, sich auszudrücken bzw. den Betrachtenden, etwas vermittelt zu bekommen. 

Zwei Räume, die vermutlich den ganz großen Unterschied machen: Holst du alles und nur noch aus dem Internet und über diesen winzigen Ausgang 'Smartphone' - oder lebst du noch Stunden im Außen, im Kontakt, in Büchern, auf der Straße, in der Kultur, auf Reisen, in der Philosophie und Soziologie, im Gesellschaftlichen und Feuilleton. Wenn man jemanden erlebt, der aus innerer Haltung dem Veganismus nachstrebt und die oder der dann z.B. Wurst als Billigfleischprodukt ablehnt, dann frage ich mich, ob man das Wenige, was verkleinert und komprimiert aus dem Smartphonebildschirm zu konsumieren ist, nicht ebenso nur "Tagwursterei" genannt werden müsste. Es ist dieser extrudierte und geblitzte Mischmasch von Fett, Wasser und Restefleisch, Eis, Salz, Zusatzstoffen und Pökel. Mal roh, mal gesiedet oder gar geräucht. Fernsehen ist schon reduziert. 

Genau betrachtet verhält es sich nicht so, dass Wikipedia erklärt, was in meinem Brockhaus steht. Es wird immer umgekehrt bleiben - die geistig erfassten Bände aller Bibliotheken erklären, was im Internet steht. Ihre Inhalte wurden im erdenen Raum frisch als Leben und Erkenntnis, Erzählung und Gefühle geerntet und haltbar gemacht, tendenziell ausgeschmückt, statt quantitativ wie qualitativ komprimiert. 

Und so unterscheide ich, wer mir welchen Raum mit in die Begegnung einbringt - es ist ein ganz anderes Erleben. Es wird auch ein anderes Resultat. Zur Zeit müssen wir mit dem Digitalen. Doch in meiner zunehmend wachsenden Achtsamkeit meiner Restzeit gegenüber mag ich schauen, ob noch mehr vom Wahren an mich gelangt, vom Echten und Betreffenden. 

Räume sind wie Verpackungen. 

Jona Jakob
zueri-frankfurt.com

Mittwoch, 13. Januar 2021

Coachen .. Handeln - was macht den Unterschied?

Seit Beginn des Jahres ist das die Doppelrolle und Aufgabe, die sich in meiner Person vereint: Coach UND Unternehmer. Ich trenne es. Bei zueri-frankfurt stehe ich für den Coachingprozess, ob  wirtschaftlich oder psychosozial/persönlich, für die zwei Wirtschaftsmetropolen. Für den EMAB Schadenservice bin ich der Handelnde in der Region Aschaffenburg.

Worin unterscheidet sich die Identifikation in den unterschiedlichen Verantwortungsbereichen?

  • Bei Coachings stehe ich für Ihren Veränderungs- und Optimierungsprozess zur Verfügung. 
  • Als Unternehmer verantworte ich das Handeln für das Eigene (Unternehmen)

Der Coachingprozess (non-directiv)
Der Coachingprozess hat damit zu tun, als würden wir gemeinsam Ihren Balkon frühjahrsfertig machen: Kästen und Erde kaufen, Samen oder Zwiebeln setzen, Gesetztes anschreiben, Erde anpressen, alles geschützt wo warten und seinen Lauf nehmen lassen. In Coachings werden in vielen Fällen "Sämchen" angesetzt, die absehbar aufgehen, sprießen und fruchten sollen. Das ist für den Coach eine Arbeit, ein Inneres, eine Identifikation, die er lieben muss, ansonsten ihm die Anliegen der Klientel nicht zugehen oder er sich nicht gedulden kann. Im Ansetzen und Wachsen-lassen muss seine Intention, seine Zufriedenheit liegen. Und in der Vorsicht und Achtsamkeit, dass das Anvertraute doch den Auftraggebenden gehört, er es also nicht bestimmt. Dankbar daran: Wenn es sich verändert, entsteht für den 'das Coachen Liebenden' eine indirekte Form der Selbstverwirklichung, was im Urverständnis der Idee Coaching als 'Geburtshilfe' eingedacht ist und so gelehrt wird. 


Jona Jakob, DBVC-Coach und Unternehmer.


Unternehmertum (direktiv)
Das Unternehmertum hat besonders daher eine Struktur des "Zwangs/Notwendigkeit zu handeln", weil es den Gesetzen der Betriebswirtschaft unterstellt ist - von einer enormen Zahl weiterer Gesetz hier mal abgesehen. Wer hier übernimmt, der MUSS. Dafür ist die Aufgabe eigentlich "simpler", da die Konditionen hierfür einfacher strukturiert sind: Erledige deine Muss-Aufgaben (z.B. Ziele erreichen, etc), und du hast die Verantwortung getragen. Es ist dein Bereich, dein Unternehmen, du bist der Schmied deines Glücks. Handle. In diesem Hang zum konkreten Handeln muss des Unternehmers Inneres bestehen, Einstellung und Aktivität müssen dies geradezu suchen, anpacken, erreichen wollen - und dabei glücklich werden bzw. darin Erfüllung finden. Dankbar daran vielleicht: Das Entstandene als Konkretes, Ausweisbares. Das können sich auch die meisten Menschen vorstellen und nehmen daher gerne eine respektvolle Haltung dazu ein. 

Zum Gedanken, dass sich beides nicht ausschließt und es immer ein Mischverhältnis gibt, möchte ich mich an dieser Stelle nicht aufhalten. Ja - und? Im Kern machen die beiden Unterscheidungen oben deutlich, womit man sich befasst. Daran kann man sich in der Frage zum Selbst orientieren. 

Was haben Sie jetzt davon?
Als Unternehmer kann ich Ihnen im Umkreis von 100 Km zu Aschaffenburg einen Wasser- oder Brandschaden sanieren. Als Coach kann ich Ihr Unternehmen/Ihre Unternehmung (Projekt) durch Sie entstehen lassen. Vielmehr noch kann ich Sie unter die Menschen bringen. Die Menschen sind diese Blumenerde und Sie, Sie sind das Samenkorn. 

P.S. Allenfalls besteht die zweiseitige Frage, ob man Coach werden möchte. Da wird es dann raffiniert. 


Jona Jakob



 

Sonntag, 10. Januar 2021

(Selbst-)Kritik ist eine Sache des rechten Abstands.

Zitat: 

Was kann eine 'Kritik' noch leisten? Was hat sie in so theoriemüden Zeiten zu suchen? Nehmen wir erst Walter Benjamins Antwort: 

"Narren, die den Verfall der Kritik beklagen. Denn deren Stunde ist längst abgelaufen. Kritik ist eine Sache des rechten Abstands. Sie ist in einer Welt zuhause, wo es auf Perspektiven und Prospekte ankommt und einen Standpunkt einzunehmen noch möglich war. Die Dinge sind indessen viel zu brennend der menschlichen Gesellschaft auf den Leib gerückt. Die Unbefangenheit, der freie Blick sind Lüge, wenn nicht der ganz naive Ausdruck planer Unzuständigkeit geworden ..." (Einbahnstraße, 1928/1969, S. 95)

In einem System, das sich als Mittelding zwischen Gefängnis und Chaos anfühlt, gibt es keinen Beschreibungsstandpunkt, keine Zentralperspektive zwingender Kritik. 

Peter Sloterdijk, Kritik der zynischen Vernunft, Band I, S. 18



Coaching: 

Der Nutzen in dem Gegenüber des Coaches, also dass man jemanden dabei hat, der einem bei seinen Betrachtungen begleitet, besteht darin, dass der Zuhörende alleine schon ein paar Meter Abstand zum Sprechenden hat. Das sogenannte 'Setting', die Sitz- und Arbeitspositionen sind unterschiedlich und in der Distanz. Das verändert das Gesagte. Das Gesagte verändert sich schon im Moment, wo es aus den Gefühlen in die Gedanken und von den Gedanken in das Gesprochene einfließen. Es wandelt sich und ist damit verändert. Ob nun stimmiger oder verdrehter, das ist noch nicht erkannt. 

Was vermutlich die wenigsten Menschen mit dem Gedanken für bzw. vor einem Coaching bedenken: Sie neigen eher dazu, die eigene IST-Situation unterbewusst zu beschönigen bzw. zu idealisieren, wenn sie dann im Coaching sprechen, als dass sie wirklich Worte dafür finden würden, worin sie stecken und was das für Konsequenzen haben kann. Man "malt es sich schön". Das reduziert zugleich die Brisanz dessen, was man besprechen oder angehen sollte. 

Der Nutzen eines Coaches besteht darin, dass dieser die "menschliche Schönfärberei" erkennt und Worte bzw. ein einfühlendes Vermögen hat, dies anzusprechen und es so weit wie angebracht offen zu legen. Man kommt dabei auf den Grund der Dinge - zumindest näher daran. 

Das klingt im ersten Moment beängstigend, ist es aber gemäß meiner Erfahrung aus mehr als tausend Gesprächen jedoch nicht. Vielmehr wird genau dieser Punkt dann in Feedbacks ausgesprochen, wie froh man sei, das Trefflichere, das Direktere im Gespräch gehabt zu haben, offen zwar - gefühlt verletzlich - aber dann "das Geld wert", also dankbar dafür, mit jemandem an den Punkt gelangt zu sein. Auch auf angenehme und jedenfalls annehmbare, gut vertretbare Art und Weise. 

Die Fremdsicht durch den Coach und der Abstand dessen Zuhörens und Mitfühlens sind zwei Angelpunkte für die eigene Entwicklung bzw. den Prozess der Reflexion (Form der kritischen Prüfung), die besonders dann sinnvoll und eine Beauftragung wert sind, wenn einem die eigene Situation "zu Leibe rückt", wenn Ihnen der Druck der Lage "auf der Brust sitzt", "das Herz rausreißt", "den Atem nimmt", "den Sinn vernebelt", "vor Angst beklemmt", "unter die Haut geht", etc. 

Mit jemandem erweitern Sie den Blick auf sich selber. Mit jemand Professionellem noch viel mehr, da gute Coaches hierfür speziell ausgebildet wurden. Der ganze Raum gehört dann Ihnen. Das ist alleine kaum zu erlangen. Wenn Sie fotografieren möchten, was Sie in einem Spiegel sehen, müssen Sie die DOPPELTE Tiefenschärfe einstellen, also die Meter von sich zum Spiegel und diese nochmals in die Tiefe des Spiegels hinein. Sonst wird das im Spiegel Sichtbare nicht scharf. 

Jona Jakob
zueri-frankfurt.com

Freitag, 8. Januar 2021

Kritik an der Akquise für Coachings

Vor zwei Tagen erhalte ich im Tag einen Anruf:

JJ: "Jakob."

Tel: "Guten Tag, hier ist XY, wen haben ich am Apparat? Ihr Name ist?"

JJ: "Jakob."

(... ich nehme an, sie hat eine Frau erwartet, wegen 'Jona')

Tel: "Ah, gut, guten Tag Herr Jakob. Ist das richtig, Sie sind Coach?"

JJ: "Ja."

Tel: "Wir sind ein Team von professionellen Vermarktern und könnten für Sie als Coach Kunden gewinnen."

JJ: "Das ist sehr aufmerksam, aber ich habe zur Zeit keinen Bedarf, da ich in einem Turnaround eines Unternehmens stecke, welches meiner verstorbenen Frau gehörte. Ich habe also für Coaching zur Zeit keine Situation und ich akquiriere keine Coachingkunden."

Tel: "Aber Sie sind doch Coach?"

Ende des Gesprächs, ich bin raus.

Bild: Es gab auf keine Weise ein Quelle für die Grafik - sie ist nicht unter meiner Leitung entstanden.

Die erste Regel eines jeden Gespräches ist:
- Wer ist dein Gesprächspartner? (Gesprächsvorbereitung)

Die zweite Regel jeden Marketings ist:
- Was sind die Bedürfnisse des (potentiellen) Kunden?

Die dritte Regel kenne ich aus meiner elterlichen Erziehung:
- Wenn du nicht sicher bist, schau nach (Lexikon, Duden, etc): Jona? Andrea?

Die vierte Regel entstammt der Kommunikation:
- Frage, bevor du redest. Höre also zu, bevor du redest.

Die fünfte Regel des menschlichen Miteinanders bzw. jeder Begegnung:
- Nimm niemals etwas an / meine nicht(s)

So viel zur Professionalität des Marketingteams einer mir Unbekannten, die mE weder etwas von mir wusste, noch mit mir im Kontakt stand (sondern nur schwatzte) und die das kleine 1x1 eines Verkaufsgesprächs mit mir vollends vertan hat.

Warum? Weil sie sich an ihren Gesprächsleitfaden klammerte, damit sie allenfalls nicht untergehen würde. Ihre Fokussierung war so eingetrichtert, dass sie darob jedes Element des Im-Kontakt-Seins außer Acht ließ und darob verlor. Zynisch könnte ich ergänzen: Gut, dass ich nicht weiß, wer angerufen hatte. Weder als Person noch als Marketingdienstleistungsunternehmen.

Dabei fängt der Kardinalfehler in der Prämisse da an, dass man Coachingkunden akquirieren sollte. Ich kann Kursteilnehmende oder Trainierende akquirieren - doch ein korrektes Coaching fängt eben genau da an, wo sich der (potentielle) Coachee selber auf den Weg macht, sich eine/einen Coach zu suchen. Bei diesem ersten Kick, Anstoß, Aufraffen, Auslösen, Beginnen, Selbstantrieb liegt schier 50% des Erfolges seiner Veränderung. Aber werbe ich den Zahlenden an, wird sie/er mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Verantwortung gleich beim Online-Warenkorb abgeben, da ja angelockt und eingekauft.

Jedem seine Facon. Doch für mich eher nicht. Auch nicht für andere Gespräche, die "so" laufen sollen. Fragen Sie mich sorgsam, dann werde ich differenziert Auskunft geben und Transparenz schaffen - dann können Sie sich ordnen und mich wirklich gewinnen.

Auf ein idealeres Miteinander.

Jona Jakob
zueri-frankfurt.com

Bleibt beisammen!

 Ich besuchte im Jahr 2016 einen Netzwerkanlass und wurde dort gefragt, was das Wort 'Individuation' bedeutet, welches auf der Visit...